Der Sonnengesang des hl. Franziskus -

- gemalt von Schwester M. Gabriele

 

 

Schwester M. Gabriele malte nebenstehende Spundwände mit dem Sonnengesang des hl. Franziskus. Diese erhielten einen Ehrenplatz am Schwesternhaus.

 

Franziskus von Assisi: Der Sonnengesang


Im Jahr 1225 - schon von den Wundmalen Christi gezeichnet und fast blind -, dichtete Franziskus in der Umgebung des Klosters San Damiano nahe Assisi, in dem seine Gefährtin Klara mit den ersten Klarissen lebte, seinen Sonnengesang.


(aus dem ökumenischen Heiligenlexikon)

 

(Text und Foto: Elisabeth Wagener)

 

 

Zum Sonnengesang

 

 

 

 

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

 

Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne,
welcher der Tag ist und durch den du uns leuchtest.
Und schön ist er und strahlend mit großem Glanz:
Von dir, Höchster, ein Sinnbild.

 

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.

 

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteres und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen Unterhalt gibst.
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

 

Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark.

 

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns erhält und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

 

Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt.

 

Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.
Selig jene, die er findet in deinem heiligsten Willen,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

 

Lobt und preist meinen Herrn
und dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.

 

(Aus: Franziskus-Quellen)

 

Ein Hinweis am Ende: Im Italienischen unterscheiden sich manche Worte im Geschlecht gegenüber der deutschen Sprache. Die Übersetzung "Bruder Sonne", "Schwester Mond" usw. ist also korrekt - auch wenn wir im Deutschen es genau umgekehrt sagen würden, weil bei uns "die Sonne" feminin ist, "der Mond" maskulin etc.